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Doping am Arbeitsplatz

Eine kleine Pille nur, und die Arbeit läuft wie geschmiert: Die Angst verfliegt, der Stress nimmt ab, und es fällt viel leichter, sich zu konzentrieren. Zum Einsatz kommt dabei unter anderem der Wirkstoff Piracetam, der eigentlich gegen Demenz helfen soll.

Laut des „Gesundheitsreports 2009“ der Deutschen Angestellten Krankenkassen (DAK), dopen sich bereits rund zwei Millionen Bundesbürger am Arbeitsplatz mit vermeintlich leistungs- fördernden Mitteln. „Frauen polieren vor allem ihre Stimmung auf“, sagte DAK-Chef Herbert Rebscher. Männer versuchten dagegen, ihre geistigen Fähigkeiten zu stärken. Dahinter stecke der Wunsch, immer perfekt zu funktionieren, sagte Rebscher. Insgesamt waren 3000 DAK-Versicherte zum Thema Doping am Arbeitsplatz befragt worden. Jeder Fünfte würde demnach Medikamente akzeptieren, um den Stress im Beruf besser auszuhalten. Ein Alarmsignal, so Rebscher.

Rund die Hälfte der 20- bis 30-Jährigen weiß heute, dass Antidepressiva und Mittel gegen Alzheimer bei Gesunden die Leistung des Gehirns steigern können. Lampenfieber verschwindet mit blutdrucksenkenden Betablockern. Medikamente zur Behandlung des Zappelphilipp-Syndroms (ADHS) beruhigen auch gestresste Arbeitnehmer. 20 Prozent der Befragten meinten, die Risiken seien im Vergleich zum Nutzen vertretbar, heißt es im Report.

Ein Abgleich der Verordnungen mit den Diagnosen zeigte, dass vor allem der Wirkstoff Piracetam, der eigentlich bei Demenz eingesetzt wird, nur in drei Prozent der Fälle bestimmungsgemäß verschrieben wurde.

Jeder Dritte hält es für vertretbar, Gedächtnis und Konzentration im Beruf mithilfe von Medikamenten zu steigern, die Müdigkeit zu vertreiben (13,5 Prozent), unter Termindruck länger zu arbeiten (8,5 Prozent) oder eine freundlichere Ausstrahlung im Umgang mit Kunden zu erlangen. Und in unserer „flexiblen 24-Stunden-Dienstleistungsgesellschaft“ werde das Bedürfnis nach dauerhafter geistiger Fitness und guter Laune am Arbeitsplatz zunehmen, sagte Nolting. Doping könne aber keine Alternative zum Abbau von arbeitsbedingten psychischen Belastungen sein.

Grundsätzlich sei der Wunsch der Menschen, den Körper und seine Leistungsfähigkeit zu verbessern, durchaus zu verstehen, sagte Isabella Heuser, Professorin für Psychiatrie an der Berliner Charité. Sie warnte aber, dass es bislang keine Erfahrungen mit der langfristigen Einnahme von stimmungsaufhellenden und leistungsfördernden Medikamenten bei gesunden Menschen gibt. In der Regel seien mögliche Nebenwirkungen bei Gesunden stärker ausgeprägt als bei Patienten. So könnte bei der Einnahme von Antidepressiva Kopfschmerzen, hoher Blutdruck, Schwitzen und Übelkeit auftreten. Die gute Laune würde dann mit erheblichen Nebenwirkungen erkauft.

 


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