Duzen oder siezen?
Duzen oder Siezen ist im Deutschen eine heikle Sache. Wer zu schnell duzt, gilt als unhöflich - wer zu lange siezt, wirkt steif. Doch gerade im Geschäftsleben geht es wieder förmlicher zu. Eine Allensbach-Umfrage ergab: Gerade die Jüngeren neigen verstärkt zum "Sie". Die Entscheidung zwischen "du" und "Sie" hängt nicht nur vom Alter ab, sondern auch von Dialekt, sozialer Stellung und Umfeld. Klassische "Du"-Zonen sind das Theater, manche Unis, die Musikbranche, das Internet und der Sport.
Der herablassende Beiklang des Duzens (von oben nach unten) kann durchaus als gezielte Unhöflichkeit benutzt werden. Juristisch wird dementsprechend von deutschen Gerichten ein nicht ausdrücklich erlaubtes Duzen als Beleidigung gewertet, auch bei Privatpersonen und nicht nur dann, wenn Amtsträger wie beispielsweise Verkehrspolizisten geduzt werden. Doch wird dieses Vergehen, wie alle Formen der Beleidigung, nur auf Antrag des Beleidigten strafrechtlich verfolgt.
Wenn die Aufforderung, einander zu duzen, vom Rangniederen ausgeht, wird dies gelegentlich als beleidigend aufgefasst. Eine scharfe Reaktion kann dann die Form der Gegenbeleidigung annehmen: „Ich erinnere mich nicht daran, dass wir miteinander Schweine gehütet haben.“ Oder milder: „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir im Sandkasten miteinander gespielt haben!“
Die Rückkehr zum Siezen oder allgemeines Siezen wird strafrechtlich nicht als Beleidigung aufgefasst. Es wird dennoch gezielt eingesetzt, um eine besondere Distanz auszudrücken und eine Person aus dem Kreis der Vertrauten fortan auszugrenzen, aber auch um zu signalisieren, dass man jemanden für arrogant hält und nichts mit ihm zu tun haben will.
Als Chef sollte man sich nicht vom "Duz"-Angebot eines Mitarbeiters überrumpeln lassen. Die Führungskraft kann das "Du" ohne weiteres ablehnen - so übrigens auch der "niedriger" gestellte Mitarbeiter. Gut ist es, die Gründe dafür zu nennen, z.B., dass man nur mit langjährigen Mitarbeitern per Du ist - oder eben mit keinem. Als Alternative könnte derjenige, der das Du ablehnt, anbieten, den anderen beim Vornamen zu nennen, ihn aber weiterhin zu Siezen.
Einige Vorgesetzte sind der Meinung, dass sie lässiger und spritzig dynamisch rüber kommen, wenn sie allen ihren Mitarbeitern das Du anbieten. Das kann sich ebenso schnell wieder rächen. Es ist nämlich wesentlich schwieriger, jemandem unangenehme Arbeitsaufträge zu erteilen oder denjenigen zu ermahnen, mit dem man per du ist, als wenn man das distanziertere Sie benutzt. Der Mitarbeiter ist auch eher geneigt mit dem Chef eine Diskussion um einen Arbeitsauftrag anzufangen, wenn er mit ihm per du ist als per Sie.




