United Kingdom: Auf die feine Art
Wer in Großbritannien geschäftlich unterwegs ist, sollte auf braune Anzüge, Drängelei und übertriebenes Händeschütteln verzichten. Auch mangelnde Sprachkompetenz kann zur Hürde werden, wenn man die Feinheiten der englischen Sprache nicht kennt. Briten sind bekannt für ihren schwarzen, subtilen Humor. Er blitzt in fast jeder Situation auf und die Inselbewohner scheuen sich auch nicht, sich über sich selbst lustig zu machen, um übermäßige Bürokratie zu durchdringen, um einen Kollegen oder Vorgesetzten zu kritisieren oder ernste Sachverhalte ins richtige Licht zu rücken.
Deutsche Unternehmer sind immer wieder enttäuscht, weil sie beim Rückflug über den Ärmelkanal bereits einen Geschäftsabschluss in der Tasche wähnten - dieser aber nicht zustande kam. Dahinter steckt klassisches englisches Verhalten. Engländer sagen viel zwischen den Zeilen. Wenn ein englischer Geschäftspartner "very interesting" sagt, so entspricht dies lediglich einem "okay". Und wenn ein Engländer in der Verhandlung erklärt, "we have a tiny problem", sollte man sich beim Wort "tiny" (winzig) nicht entspannt zurücklehnen. Das Gegenüber meint damit, dass ein großes Problem ansteht. Daher sollte sich niemand von höflichen Umschreibungen auf die falsche Fährte locken lassen.
Die Besonderheiten der englischen Geschäftskultur beginnen schon bei der Kontaktanbahnung. Smalltalk ist auch in England die Tür zur Geschäftsbeziehung. Der britische Sinn für Fairness ist sehr ausgeprägt. Sie versuchen alle Aspekte einer Sache in Betracht zu ziehen und lassen sich dabei Zeit. Schnelle Entscheidungen gibt es nicht. Sie sind harte Verhandlungspartner, auch wenn sie dabei immer freundlich bleiben. Es ist typisch für die Briten, immer noch eine Alternative im Hinterkopf zu haben, diese aber erst am Ende zur Sprache zu bringen. Partner können mit viel Höflichkeit und Beharrlichkeit versuchen diese Position herauszubekommen. Man muss dem Gegenüber schon genau zu hören, denn die Briten neigen dazu, sich vage auszudrücken. Die schriftliche Kommunikation mit den Geschäftspartnern ist nicht selten pedantisch und besserwisserisch.
Ein weiterer Unterschied zwischen Deutschen und Briten: Engländer reichen einander weniger oft die Hand als Deutsche. In England wird sich genau einmal die Hand geschüttelt - und das, wenn man sich das erste Mal vorstellt. Wer beim zweiten Treffen zum Handshake ausholt, ist bereits in ein kleines Fettnäpfchen getreten. Grundsätzlich haben die Briten ein ausgeprägtes Distanzverhalten. Man hält daher zu einem englischen Geschäftspartner rund eine Armlänge Abstand ein.
Wie in den USA platzen auch in England durch Bad Simple English regelmäßig Geschäfte. Fach- und Führungskräfte überschätzen entweder ihre eigene Sprachkompetenz oder setzen für Übersetzungen ihre Sekretärin oder Studenten ein. Zwar sprechen mehr als 573 Millionen Menschen Englisch - das entspricht rund 11,3 Prozent der Weltbevölkerung. Jedoch gibt es keine Angaben darüber, wie gut sie sprechen können. So nehmen Geschäftspartner Feinheiten im Ausdruck oft nicht wahr und verstehen Inhalte falsch. Es kommt zu Verständigungsproblemen und Missverständnissen. Maß- und Zahlenangaben werden falsch eingesetzt. Immer wieder verwenden Ausländer bei Präsentationen in London die Maßeinheit Zentimeter statt Inches. Gerade weil Geschäftsleute aus Deutschland die einfachsten Dinge nicht wissen, können sich Engländer nicht ernst genommen fühlen.
Wer ungeduldig ist oder drängelt, wirkt ungehobelt. Ab zwei Personen bilden Engländer eine Schlange. Auch in der Sprache ist Höflichkeit Pflicht. Lieber einmal mehr als einmal zu wenig - diese einfache Regel sollte man sich für den Einsatz der Wörter "sorry", "please", "thank you" merken. In England wird selten eine Frage direkt gestellt. Dies klingt nämlich wie ein Befehl. Stattdessen schicken Engländer stets eine Einleitung vorweg, die sich im Deutschen am ehesten mit einer einfachen Bitte übersetzen lässt.
Bei einem Geschäftsessen kann man ebenfalls einige Besonderheiten beachten. Dies ist jedoch nicht dringend notwendig. Wer etwa Suppe isst, sollte den Löffel nicht von vorn in den Mund führen, sondern seitlich. Dabei wird der Löffel nicht ganz in den Mund geschoben. Beim Hauptgang und generell gilt: Wer etwas auf sich hält, benutzt die Gabel mit den Zinken nach unten - was bei Reis und Erbsen zu einer wackligen Angelegenheit wird. Eine Besonderheit gibt es noch. Nach dem Büro geht es oft in den Pub. Wer sich stets um den After-Work-Drink drückt, gilt als unhöflich und der nüchterne Beweis für die Trinksünden der Kollegen.




