Interkulturelle Kompetenz
Interkulturelle Kompetenz hat derjenige, der eine andere Kultur so begreift, dass die Verhaltensweisen ihrer Mitglieder nachvollzogen, vorausgesehen und seine Kommunikation mit ihnen so gestaltet werden kann, dass deren Wirkung seiner Absicht entspricht.
Interkulturell kompetent ist die Person, deren Bewusstsein der eigenen kulturellen Vorannahmen und deren Lernerfahrungen bei der Erschließung fremder Kulturen so ausgeprägt sind, dass sie auch in bis dato unbekannten Gesellschaften kommunikativ kompetent auftritt. Dabei geben Sie ihre Authentizität nicht auf und halten sich an eine gelungene Synthese von Natürlichkeit und Beachtung der Spielregeln.
Strukturelle Merkmale, die bei internationalen Begegnungen zum Tragen kommen, sind vor allem:
Zeit: Ist die strikte Einhaltung von Terminen und Tagesordnungen ein Wert an sich? Oder liegt der Fokus auf der Beziehung der Menschen und dem gelassenen Austausch mit ihnen? Die Unterscheidung in monochrone und polychrone Gesellschaften ist aufschlussreich. Deutsche sind beispielsweise monochron, Araber und Lateinamerikaner polychron. Daneben kann die unterschiedliche Orientierung an der Vergangenheit oder an der Zukunft relevant werden.
Raum: Wer ist an-, wer bleibt abwesend? Wie viel Nähe ist opportun, wie viel Distanz nötig? Welche Berührungen sind unter welchen Menschen gestattet? Was bedeutet eine Geste? Der Fingerkreis zum Beispiel kann sowohl "OK" (in den USA) als auch Geld (in Japan) und sogar eine Obszönität (in Frankreich) bedeuten.
Beziehung: Ist die jeweilige Gesellschaft, der bestimmte Markt beziehungs- oder sachorientiert? Die Prägung der meisten Märkte dieser Erde steht der deutschen Sachorientierung diametral gegenüber.
Förmlichkeit: Sind Begegnungen förmlich oder locker-informell gestaltet? Werden Hierarchien demonstriert oder verwischt, wird Respekt ritualisiert gezollt?
Direktheit: Werden Anweisungen, Gefühle, Einschätzungen direkt oder eher indirekt geäußert? Verhalten sich die Menschen sichtbar emotional oder zurückhaltend?
Geschlecht: Welche Rollen sind der Frau zugewiesen, welche dem Mann? Welche Form des Miteinanders der Geschlechter ist in der Öffentlichkeit gewünscht bzw. geduldet? Wie steht es um ihr Berührungs- und ihr Blickverhalten?
Status: Wird Status aus dem Stand und der Familie bezogen ("erben") oder aus der eigenen Leistung ("erwerben")? Bei der interkulturellen Kompetenz geht es um mehr als um die kleinen Dinge, von denen es "nett" ist, sie zu kennen, wie die Höhe des Trinkgelds in China oder die Grußformel am Telefon in den USA.




