Indien - Land der Tiger und Maharadschas
Wer in Indien Erfolg im Geschäftsleben haben will, braucht starke Nerven. Die Kommunikation ist häufig schwierig, denn es gibt mehr als 400 Regionalsprachen und Idiome. Inder haben auch vom Leben und von Geschäftsbeziehungen andere Vorstellungen. Auf einen Kulturunterschied werden deutsche Geschäftspartner bereits bei der Kontaktaufnahme stoßen. Wer Indern eine E-Mail schreibt, der wird zu fast 100 Prozent keine Antwort erhalten. Der Grund ist, dass ein Gros der Inder extrem beziehungsorientiert ist. Und wer denkt, er könne Adresslisten aufkaufen und schriftlich einen Geschäftskontakt aufbauen, der irrt.
Wer in Indien höflich sein möchte und erfolgreich vorgehen will, muss zuerst in den Beziehungsaufbau investieren. Das ist gar nicht so schwer. Man sollte nicht nur schriftlich vorgehen. Besser ist es, sich folgende Fragen zu stellen: Kenne ich einen Inder, der mir helfen könnte? Findet demnächst eine Messe statt, bei der ich mein Unternehmen und mich als Mensch vorstellen könnte?
Wer auf diese Weise mit einem Inder zusammentrifft, darf allerdings nie gleich zum Geschäftlichen kommen. Sich kennen zu lernen, heißt in Indien nicht nur, sich einmal gesehen zu haben. Zum Kontaktaufbau gehören nun Telefonate und Treffen. In den Telefonaten sollte man stets etwas von sich preisgeben und sich zugleich für den indischen Geschäftspartner interessieren. Erst bei dem zweiten Treffen oder Besuch sollte man in Indien zum Kern des Geschäfts kommen. Wichtig ist, bestehende Kontakte zu pflegen. Eine Geschäftsfreundschaft dauert dann in der Regel mehrere Jahre an.
Unterschiede in der Klarheit der Kommunikation führen zwischen Indern und Deutschen immer wieder zu Missverständnissen und ernsthaften Problemen. Wer unzufrieden ist, sollte dies nie direkt sagen - sondern fragen, ob etwas nicht anders gemacht werden könnte. Folge dieser indirekten Kommunikation ist auch, dass ein "ja" nicht automatisch ein "ja" bedeutet und dass man ein "nein" niemals mit einem "nein" ausdrückt - sondern nach deutschen Verhältnissen um den heißen Brei redet. Wie in anderen Ländern kann es in Indien vorkommen, dass indische Geschäftspartner Angebote zunächst einmal ablehnen. Das sollte man stets beachten.
Auch beim Thema Pünktlichkeit werden westliche Geschäftsleute auf eine harte Probe gestellt. Anders als in Deutschland läuft die Zeit nicht ab. Sie wiederholt sich. Zurückzuführen ist diese Ansicht auf den Hinduismus. Hindus glauben daran, dass sich Leben und Tod im Kreislauf wiederholen. Nach dem Leben kommt die Wiedergeburt. Die Auswirkungen auf das Leben und das Geschäftsleben sind für Deutsche kaum nachvollziehbar. Termine werden fast nie eingehalten. Wer mit Behörden verhandeln muss, kann sich auf Wartezeiten von mehreren Stunden gefasst machen. Man sollte vor Geschäftsreisen versuchen, diese Einstellung von Zeit zu verstehen und zu respektieren. Aufregen bringt nichts.
Wer Geschäftlich essen geht sollte beachten, dass es von mangelnden Tischmanieren zeugt, mit der linken (unreinen) Hand zu essen. Wenn zu Tisch die Hände benutzt werden, dann immer nur die rechte. Selbst Naan-Brot kann mit nur einer Hand (der rechten) gebrochen werden. Gegessen selbst wird mit geschlossenem Mund. Der Dresscode ist in Indien einfach: In den Sommermonaten sind Stoffhose, Hemd und Krawatte erlaubt, sonst dominieren Anzug, Hemd und Krawatte. Frauen sollten sich mit leichten Stoffen bekleiden und wenig Haut zeigen.




